Auch heute hat es wieder geschüttet. So sehr, dass man bis mittags keinen Fuß vor die Tür setzen konnte. Erstaunlich, welche Skills die Einheimischen entwickelt haben, um bei diesem Wind ihren Schirm überhaupt noch aufrechtzuhalten. Wir hatten zu tun, uns einfach nur auf dem rutschigen Gehweg zu halten.
Sobald man die Küstenpromenade verlässt, gelangt man in einen ganz anderen Teil der Stadt – geprägt von wundervoller sowjetischer Architektur, kleinen Plätzen und ruhigen Parks.
Die Menschen hier sind außerordentlich hilfsbereit und freundlich. Wir werden auch ab und zu angesprochen, aber nicht, weil man uns was verkaufen möchte. Nein, weil man fasziniert ist, Touristen zu sehen.
Während Herren vor ihren nostalgischen Läden sitzen, Schuhe spannen oder Antiquitäten verkaufen und dabei wundervolle Fotomotive abgeben, laufen grün uniformierte Menschen die Straße entlang. Wir wissen nicht genau, was ihr Beruf ist, aber es macht Eindruck und strahlt eine gewisse Präsenz und Autorität aus. Irgendwie scheint es, dass jede zweite Person hier im Sicherheitsbereich arbeitet. Man hat andauernd das Gefühl jeden Moment festgenommen zu werden.
Der Blick nach oben in die Bäume wirkt dagegen fast friedlich. Die hier angesiedelten Mönchsittiche sind beeindruckend. Nicht unbedingt wegen ihrer Anzahl, sondern wegen ihrer Größe. So große Tiere haben wir in Stadtparks bisher noch nirgends auf der Welt gesehen.
Wir liefen über ausschweifende Boulevards entlang des Regierungspalastes. Hier hat Baku auf jeden Fall etwas von Moskau. Es ist schon eine verrückte Mischung irgendwie etwas zwischen Dubai und Russland: Sowjetbauten mit unzähligen Tupfern futuristischer Gebäude. Tatsächlich sind es bis zur russischen Grenze nur 195 km und zur Grenze des Iran 277 km.
Wir haben uns gefragt, warum wir so auffallen und uns jeder anschaut. Die Leute tragen einfach ganz andere Klamotten. Es wirkt fast, als wäre die Zeit hier ein Stück stehen geblieben. Farbenfrohes sieht man kaum. Alles ist eher dunkel - schwarz und braun. Wahrscheinlich reicht schon unsere hellblaue Regenjacke aus, um hier aufzufallen.
Wir kamen auf einen großen Platz am Ende des Boulevards am Meer, zückte meine Kamera und begannen wie immer zu fotografieren. Es dauerte keine drei Sekunden, bis mir das wieder untersagt wurde. Wenn man hier überhaupt etwas fotografieren darf, dann maximal mit dem Handy.
Dann wurde auch klar, warum. Wir befanden uns hier an einem neu entstandenen Denkmal zur Rückeroberung der Region Bergkarabach - ein Ereignis, das erst wenige Jahre zurückliegt und Aserbaidschan und das Nachbarland Armenien lange vorher in einem langen Konflikt führte.
Das führt mittlerweile soweit, dass Ausländern nun generell die Einreise auf dem Landweg untersagt ist und man nur noch per Flugzeug und dem richtigen Pass hier rein kommt.
Wir liefen wieder entlang der Uferpromenade, wo richtig viel gebaut wird. Die Frage ist für wen eigentlich? Der lange Abschnitt am Meer wirkt über Kilometer hinweg einsam und verlassen. Geschlossene Restaurants bzw. Cafés und typische kaukasischen Fahrgeschäfte laufen zwar, sind in Betrieb, aber niemand nutzt sie. Alles wirkt trist und trostlos. Wahrscheinlich ist es am Ende einfach eine Frage der Jahreszeit. Baku im Sommer fühlt sich hier vermutlich ganz anders an.
Das Gute ist: Wenn du hier als Fremder auffällst, erlebst du gleichzeitig die herzlichste Gastfreundschaft, die dieses Land zu bieten hat. Die Menschen sind wirklich eines der besten Dinge hier. Tatsächlich sind es hauptsächlich Männer mit denen man hier in Kontakt kommt, weil sie eben wie vielerorts im Gastgewerbe arbeiten.
Es war Zeit für Kaffee. Nicht irgendeinen, sondern Raf Coffee, von dem wir gestern schon berichtet haben. Aufgeschäumte Sahne, Espresso und Zucker – also völlig anders als ein Latte Macchiato, bei dem alles geschichtet ist. Köstlich.
Genau genommen waren wir auf der Suche nach Sirniki, russischen Pfannkuchen aus Quark, außen leicht knusprig gebraten, innen weich und fast schon cremig. Das erste Mal haben wir sie in Georgien gegessen. Einfach köstlich.
Was dabei besonders auffällt, ist dieses extreme Preisgefälle in der Stadt. Du kannst in der Altstadt zu zweit mit Vorspeise und Getränken für etwa 25 Euro in einem richtig guten Restaurant essen. Auf der Straße bekommst du für 1,35 Euro einen Döner mit Ayran. Und in den fancy, eher westlich angehauchten Cafés zahlst du plötzlich das Äquivalent von 20 Dönern – für zwei Kaffee und zwei Stück Kuchen. Verrückt.
Am Abend zog es uns nochmal raus, auf die nostalgische Uferpromenade. Heute war nämlich ein schöner Sonnenuntergang angekündigt. Während du auf dem langen Pier stehst, der weit ins Kaspische Meer ragt, und ringsum die futuristische Skyline langsam in ein zartes Rosa getaucht wird, erwacht Baku Stück für Stück zum Leben. Tausende Lichter gehen an.





































