Samstag, 4. April 2026

Baku - eine Kulisse …

Der Flieger war voll mit russischen Staatsbürgern. Ist halt schwierig, noch irgendwie dorthin zu kommen, also muss man diesen Umweg nehmen. Spektakulär war die Zeit, als wir über dem Kaukasus geschwebt sind, über schneebedeckten Bergen, die unter uns vorbeizogen. Eingerahmt von eher feindlichen Territorien wie Armenien und Iran. Einzig der Sonnenuntergang war friedlich.



Am Flughafen angekommen mussten wir uns ein Taxi nehmen, weil wir irgendwie verpeilt haben, dass der Fahrkartenschalter für den Bus im Terminal ist und da kamen wir erstmal nicht mehr rein. Aber eigentlich ist es hier auch egal: Der Diesel kostet sage und schreibe 55 Cent.




Kaum waren wir vom Flughafen weg, landeten wir in einer futuristischen Welt. Man hätte fast meinen können, man fährt in Dubai ein. Unzählige Wolkenkratzer ragten in den Himmel und leuchteten in den unterschiedlichsten Farben. Der Verkehr war irre, so brauchten wir fast eine Dreiviertelstunde bis an den Rand der Altstadt von Baku.




Baku und damit auch Aserbaidschans Hauptstadt, ist nicht mit dem Nachbarland Georgien und Tiflis zu vergleichen. Das Erste, was auffiel: Der Verkehr lief gesittet. Da sind wir also, das erste Mal in unserem Leben am Kaspischen Meer – und damit auch im sechzigsten Land dieser Welt.




Komischerweise wirken wir hier wie Fremdkörper, nicht mal in China wurden wir so angestarrt. Außer ein paar russischen Touristen gibt es auch niemanden, der so aussieht wie wir. Nicht mal bei der Einreise konnte man es lassen, uns lange anzuschauen. Tatsächlich lag es an dem Passbild, das längst mal erneuert werden müsste. Es war ziemlich knapp, dass wir überhaupt einen Fuß auf aserbaidschanischen Boden setzen durften.




Die Polizeipräsenz in dieser Stadt ist übrigens herausragend, sowohl am Abend als auch am Morgen, als wir erstmal durch Teile der Altstadt zogen. Früh wirkt dieses UNESCO-Weltkulturerbe wie ein Bilderbuch, das gerade frisch gekauft wurde. Alles ist zu ordentlich und fast menschenleer.




Ziel waren die Flame Towers, wahrscheinlich das Wahrzeichen von Baku. Diese zu erreichen, bei diesen Wetterkapriolen, war aber alles andere als ein gemächlicher Spaziergang. In Baku ändern sich die Verhältnisse im Fünfminutentakt zwischen Sturmböen mit 65 km/h bei 13 Grad und plötzlich frühlingshaften Temperaturen mit herrlichem Sonnenschein.




Überall loderten Flammen als Gedenken an den Einfall der Sowjets. Feuerland würde für diese Region fast noch besser passen. Aserbaidschan ist eines der größten Gaslieferanten an die EU. Hier gibt es sogar einen brennenden Berg, den wir uns noch ansehen werden. Mit einem Feuerzeug sollte man hier vorsichtig hantieren.




Bakus Promenade zeigt immer wieder Parallelen zu Dubai. Eine fast schon herzlose Silhouette, der irgendwie das Leben fehlt. Riesige Boulevards, Promenaden, neue Häuser, aber keine Menschenseele unterwegs. Fast wie ein Expo Gelände, dass seit zehn Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird. Wenn man also eine Vorstellung von Turkmenistan haben möchte, findet man sie hier.





Dafür hat man überall in der Stadt kleine Katzenhotels aufgestellt. Ja, so kann man sie schon nennen: kleine Hütten mit Futter. Genau hier unten, am windigen Kaspischen Meer, steht die höchste Flagge der Welt mit 201 Metern. Man fragt sich, wie dieses über 70 Meter lange Spannbettlaken die krassen Windgeschwindigkeiten hier aushält. Das Teil ist übrigens streng bewacht von zwei Sicherheitskräften. Du wirst erstmal genau instruiert, was du hier fotografieren darfst und mit welchem Gerät überhaupt.




Für uns ging es weiter über die menschenleere Promenade. Was hier richtig in ist, sind Schießstände, kleine Kioske mit Kaffee und vor allem Popcorn. Das grenzt schon an eine echte Challenge, wenn du in der Windy City versuchst, Popcorn in den Mund zu bekommen. Was noch herausfordernd ist: das Laufen bei nassem Boden. Stell dir einfach vor, es sind 20 Grad kälter und du hast Kufen an den Füßen. Genauso läuft es sich auch.




Und je weiter man in Richtung Stadtinnenkern kommt, desto mehr Leben gewinnt auch der Boulevard zurück. Besonders schön ist der Ort um den Schwanenbrunnen, gesäumt von unzähligen farbenprächtigen Tulpen. Aus den Lautsprechern klingt Musik, vielleicht Tschaikowski. Wir wissen es aber nicht.




Zehn Stunden unterwegs. Eine Stadt im Balkan oder hier am Kaukasus zu erkunden, hat immer denselben Effekt: Man riecht irgendwann furchtbar. Eine Mischung aus Abgasen und Grillbratereien hängt in den Klamotten. Aber was soll’s, hier kennt uns sowieso niemand.




Wir brauchten eine Pause, die wir uns erstmal gönnten, bevor wir uns in die Altstadt zum Abendessen verzogen. Und wir können sagen: Das Essen hier ist wirklich köstlich. Es gibt ziemlich viel aus einer Mischung aus Fleisch und Früchten – zum Beispiel Hühnchen in Kirschsauce, Lamm im Granatapfelsud und jede Menge aserbaidschanischer Chai, der wirklich hervorragend schmeckt.




Am Abend ist es wunderschön in der Altstadt. Jetzt zeigt sie sich endlich lebendig. Wahrscheinlich beginnt das eigentliche Leben in Baku überhaupt erst mit Einbruch der Dunkelheit. Die Stadt hat eine der besten Nachtszenen zum Ausgehen weltweit. Immer wieder stößt man auf Plätze mit kleinen Festivals und jeder Menge Streetfood.