Heute war es Zeit, Abschied zu nehmen. Nach einem letzten Frühstück in Sri Lanka versuchten wir uns ein Uber zu bestellen. Die Preise sind um ein Vielfaches günstiger als das, was man sonst aushandelt. Und natürlich funktioniert das nicht ganz so einfach. In der Uber-App bekommst du zwar einen Preis angezeigt, aber oft wird dann noch mehr verhandelt.
Wenn man dann überlegt, dass die nächsten 115 Kilometer gerade einmal rund 35 Euro kosten und die Fahrer oft leer zurückfahren müssen, denkt man gar nicht lange nach. So saßen wir schließlich bei einem jungen Kerl im Auto und machten uns auf den Weg zurück zur Küste.
Die Fahrt war wunderschön. Letztes Mal haben wir diese Strecke mit dem Zug zurückgelegt, doch das Bahnnetz auf diesem Teilstück ist aktuell noch völlig zerstört. Also ging es diesmal auf der Straße weiter und das war ein Geschenk. So viele Kokospalmen, immer wieder weite Ausblicke und plötzlich sogar der Blick auf den Löwenfelsen von Sigiriya. Damit hätten wir überhaupt nicht gerechnet.
Eines ist sicher: Wir müssen zurückkommen. Es gibt noch so viele Ecken dieses Landes, die wir nicht gesehen haben. Und wir glauben, man muss eher früher als später wiederkommen, sonst wird Sri Lanka vielleicht ein zweites Bali. Die ersten Anzeichen dafür sind bereits zu erkennen.
Irgendwann auf halber Strecke kamen wir nicht mehr weiter. Anscheinend war heute wieder ein Feiertag: Duruthu Full Moon Poya, ein Vollmondtag, der im Buddhismus in Sri Lanka immer ein gesetzlicher Feiertag ist. Wir steckten mitten in einer kleinen Prozession fest mit Trommlern, Tänzen und viel Bewegung auf der Straße. Meine erste Frage an unseren Fahrer war natürlich: Kommen jetzt Elefanten? Er lachte nur und winkte ab. Bloß gut, das hätte uns gerade noch gefehlt. Stattdessen war es einfach schön, diese Parade gemeinsam mit den Einheimischen zu beobachten, die uns nebenbei erklärten, was hier gerade passiert.
Der Verkehr war wie immer übel. Und der kleine 23-Jährige am Steuer fuhr wie der Teufel. Aber selbst das war nichts gegen die Motorradfahrer, die in Flipflops an uns vorbeizischten, wie die Wilden in den Gegenverkehr rasten und jede noch so kleine Lücke nutzten. Die Straße ist wirklich übel zu nehmen: schmal, Bodenwellen, vollgestopft mit LKWs und Bussen, kaum Ausweichmöglichkeiten. Man hofft, dass sie wenigstens einen Organspenderausweis haben, auch wenn man sich fragt, wer bei dieser Luft hier überhaupt noch eine Lunge haben möchte.
Nach drei Stunden erreichten wir den Küstenort Negombo, der dem Flughafen am nächsten liegt, und gönnten uns für die letzte Nacht noch ein Hotel direkt am Strand mit Pool. Bei 25 Euro pro Nacht kann man es sich leisten, zwölf Stunden später schon wieder abzureisen.
Negombo ist ziemlich unschön. Eigentlich kein Ort, an dem wir noch einmal bewusst eine Nacht verbringen würden. Trotzdem hatten wir einen wunderschönen Nachmittag und Abend. Zuerst gingen wir schwimmen und kühlten uns etwas ab. Hier herrscht wieder diese erbärmliche Hitze, die wir in Ella und Kandy gar nicht hatten.
Später suchten wir uns etwas zu essen und landeten in einem kleinen lokalen Restaurant, wenn man es überhaupt so nennen kann. Eigentlich war es nur die Terrasse eines Wohnhauses. Die drei Kinder der Familie saßen an den Tischen und machten ihre Hausaufgaben, während die Mutter für uns kochte. Es war eines der besten Essen, das wir in Sri Lanka genießen durften.
Nach dem Essen ging es zurück an den Pool, und uns wurde schnell klar: selbst eine Stunde hier einfach nur rumliegen ist absolut nicht unsere Art von Urlaub. Die ersten neu angekommenen Sri-Lanka-Reisenden hatten ihr Gepäck noch nicht einmal richtig aufs Zimmer gebracht und lagen schon schlafend am Pool, bis die Sonne unterging. Nicht unsere Welt.
Wir brauchten etwas zu tun, also machten wir uns zum Sonnenuntergang auf zu einem Strandspaziergang. Und was wir dort in der Ferne vorfanden, wurde zum schönsten Erlebnis dieses Tages. Es war ja Poya-Tag, und gefühlt ganz Negombo befand sich am Strand. Überall standen kleine Imbisswagen mit Kartoffelchips und frittierten Shrimps. Kinder ließen Drachen steigen, Menschen stürzten sich in voller Kleidung in die Fluten. Familien spielten Ball, lachten, saßen zusammen. Aus unzähligen Musikboxen klang sri-lankische Musik. Neben einem TukTuk das zweite, was wohl hier jede Familie besitzt.
Es war einfach herrlich zu beobachten, wie Familien hier ihre freien Tage verbringen. Völlig getrennt von diesem wunderschönen Geschehen saßen etwa hundert Meter weiter die weißen Touristen in der nächsten Beachbar als wären es zwei Welten, die zufällig denselben Strand teilen.
Wir mussten uns noch etwas die Zeit vertreiben, denn erst um 23.30 Uhr sollte unser Fahrer kommen, um uns zum Flughafen zu bringen. Tatsächlich waren wir sehr, sehr traurig, dieses wundervolle Land zu verlassen. Ein Land voller Facetten, mit seiner sagenhaften Tierwelt, seinen atemberaubenden Landschaften und dieser enormen, ehrlichen Gastfreundschaft.
Wenn du hier in ein Hotel kommst, läuft das nämlich ganz anders, als man es vielleicht gewohnt ist. Du wirst nicht erst einmal zur Kasse gebeten. Stattdessen setzt du dich hin, bekommst ein Willkommensgetränk, dein Zimmer wird dir in Ruhe gezeigt und alles genau erklärt. Du erhältst alle Informationen, die du brauchst. Bezahlt wird erst, wenn du wieder gehst.
Alles, was du im hauseigenen Restaurant isst oder trinkst, wird einfach auf dein Zimmer geschrieben. Es wird sich durchgehend bemüht, dass du dich fühlst wie ein König oder eine Königin. Diese Form von Gastfreundschaft zieht sich durch das ganze Land: ehrlich, herzlich und selbstverständlich.
Es ist ein Land, in dem Kinder sich ehrlich freuen, uns zu sehen. Etwas, das wir als Lehrer kaum noch gewohnt sind. Vor allem die kleinen Mädchen sind es, die ein Strahlen in den Augen haben, wenn sie uns begegnen, schon von Weitem winken, auf uns zugerannt kommen und uns sofort in ein Gespräch verwickeln wollen. Und ihre Namen sind manchmal länger als sie selbst.
Sri Lanka ist aber auch ein Land der Stromausfälle. Es passiert ziemlich häufig, dass es plötzlich dunkel wird. Besonders beeindruckend ist das, wenn man hoch über Kandy auf einer Terrasse sitzt und auf einmal jemand sprichwörtlich den Stecker zieht und man in ein tiefes Schwarz blickt.
Die Schattenseiten einer Reise durch Sri Lanka sind, dass du nach vierzehn Tagen komplett verdreckt bist. Überall kleben Abgase, Staub, Lehm und Sand an dir. Wenn du abends dein T-Shirt im Waschbecken ausspülst, ergießt sich eine grau-braune Suppe. Und eigentlich spielt es keine Rolle, ob man frisch geduscht ist oder saubere, gut riechende Kleidung trägt. Spätestens nach zehn Minuten bei dieser Luftfeuchtigkeit ist ohnehin das komplette Outfit hinüber. Unsere Rucksäcke waren nach keiner Reise zuvor so dreckig wie dieses Mal.
Wir essen gern. Und wir entdecken fremde Kulturen oft über das Essen. Wir probieren unzählige Gerichte, bringen sogar in jedes Land ein kleines Buch mit, in dem die Dinge stehen, die man unbedingt essen muss zum Abhaken. Aber so viel wie in diesem Urlaub haben wir vermutlich noch nie gefuttert. Die Portionen sind riesig, und vor allem das Frühstück reicht eigentlich schon für den Kalorienbedarf eines ganzen Tages.
Eines der großen Highlights dieses wundervollen Landes sind tatsächlich die Tiere. Man muss dafür nicht einmal zwingend eine Safari machen. Man begegnet ihnen auch so: Affen, Mungos, Lanka-Riesenhörnchen, wunderschöne Reptilien, unzählige Insekten, Elefanten. Dazu kommen diese vielen exotischen Vogelarten, die überall auftauchen. Und nicht zu vergessen die vielen Straßenhunde des Landes, die irgendwie genauso zu Sri Lanka gehören wie alles andere auch.
Die Internetabdeckung im Land ist gut, und eine SIM-Karte mit 50 Gigabyte kostet lächerliche sechs Euro. Das macht das Reisen natürlich deutlich einfacher. Mit Internet kannst du jederzeit Preise checken, Routen vergleichen und schauen, ob du für eine Strecke nur die dreifache statt der vierfachen Zeit brauchst, denn in Sri Lanka reist man mindestens doppelt so lang wie zu Hause. Das Internet ist auch der Weg Rezessionen zu schreiben und Menschen auf diese Art Unterstützung zu leisten.
Mit Englisch kommt man hier hervorragend weiter. Oft sprechen die Menschen sogar besser Englisch als man selbst. Speisekarten, Verkehrsschilder und viele Hinweise sind ebenfalls auf Englisch. Ein klares Überbleibsel der britischen Kolonialzeit.
Sri Lanka ist ein wunderbares Backpackerland oder zumindest ein Land für all jene, die reisen wollen und nicht einfach nur Urlaub machen. Für Menschen, die unterwegs sein möchten, entdecken, improvisieren, sich treiben lassen und auch mal Umwege in Kauf nehmen, ist dieses Land nahezu perfekt.
Wir haben unglaublich viel gesehen, obwohl wir am Ende doch nur einen Bruchteil dieses Landes bereist haben. Insgesamt waren wir 918 Kilometer unterwegs. Davon sind wir 160 Kilometer zu Fuß gegangen, 73 Kilometer mit dem Tuk-Tuk gefahren, 85 Kilometer mit Bussen unterwegs gewesen, haben 134 Kilometer im Zug zurückgelegt und 466 Kilometer im Taxi verbracht.











































