Nachdem wir am heutigen Morgen eine gefühlte Ewigkeit auf den Bus gewartet hatten, landeten wir plötzlich in einer völlig fremden Welt: dem Khlong-Toei-Markt, einem der ursprünglichsten Märkte dieser Stadt. Was wir hier erlebten, war selbst für uns überwältigend. Und tatsächlich passten wir hier kaum hinein. Es sah so gut wie niemand aus wie wir.
Ein wahnsinniges Gewusel: Handkarren, Motorräder, die sich durch noch engere Gassen quetschen. Überall liegen tote Tiere, Organe werden offen präsentiert. Über den Auslagen drehen sich kleine elektrische Vorrichtungen mit rotierenden Flügeln, die ununterbrochen kreisen, um die Fliegen fernzuhalten. Gekühlt wird hier bei 35 Grad Celsius ohnehin nichts. Ratten sind auch hier nicht weit und sausen durch die Gegend.
An jeder Wegkreuzung steht eine Garküche. Also haben wir uns dort erst einmal niedergelassen, Reis mit Hühnchen gegessen und das Treiben beobachtet. Auffällig ist hier das Preisgefälle. Während man im zentralen Teil oder in touristischen Gebieten für einen Eiskaffee gut den drei- bis vierfachen Preis bezahlt, bekommt man hier ein ganzes Frühstück mit Suppe für gerade einmal 1,10 Euro. Doch selbst die höheren Preise in der Innenstadt sind für unsere Verhältnisse immer noch lächerlich günstig.
Nach zwei Kilometern zu Fuß erreichten wir den kleinen Bootsanleger zur Flussinsel Bang Krachao. Auch hier hat sich einiges verändert. Vor vier Jahren wurden wir noch mit einem kleinen Langboot hinübergebracht, jetzt hat man die Kapazitäten deutlich erhöht – das Boot ist entsprechend größer geworden. Kein Wunder: Während wir damals zu viert übersetzten, waren es diesmal bestimmt viermal so viele Menschen.
Drüben angekommen, in der grünen Oase Bangkoks, leiht man sich als Erstes ein Fahrrad, um die Insel zu erkunden. Das ist allerdings nicht immer einfach. Abseits der Straße führen oft nur schmale Wege entlang, die erhöht über dem Morast verlaufen. Darunter befindet sich also Wasser. Ein Moment der Unachtsamkeit, und man landet mitsamt Fahrrad im Abgrund. Wie man dort wieder herauskommt, möchten wir lieber nicht ausprobieren.
Als Erstes radelten wir zum Sri Nakhon Khuean Khan Park and Botanical Garden. Hier führen Plankenwege durch tropische Pflanzen, vorbei an Seen, unzähligen Vögeln und ganz viel Grün. Weiter ging es vorbei am farbenfrohen hinduistischen Tempel Mahadevalai Ganesha zum eigentlichen Highlight der Insel am Wochenende, dem Bang Krachao Floating Market.
Spätestens hier merkte man deutlich, dass Bang Krachao kein Geheimtipp mehr ist. Der Markt ist inzwischen etwa doppelt so groß geworden. Floating Markets sind in Thailand eigentlich Märkte, auf denen Waren direkt aus kleinen Booten verkauft werden. Dieser hier trägt den Namen jedoch nur, weil er entlang eines Kanals verläuft. Dem tut das allerdings keinen Abbruch. Es gibt wundervolle Holzpavillons mit Sitzplätzen und zahlreiche Essensstände, die sich über das Gelände verteilen.
Also verschafften wir uns erst einmal einen Überblick und ließen uns schließlich mit vier oder fünf Tüten auf einer großen Holzbank am Kanal nieder. Es war wirklich köstlich. Das Essen, das man hier bekommt, ist ein bisschen süß, ein bisschen sauer, unglaublich frisch und besteht aus vielen einzelnen Komponenten. Oft werden Erdnüsse, Chili oder Limetten separat dazugegeben, sodass man alles nach Belieben selbst verfeinern kann.
Weniger köstlich war der Müll, den wir dadurch verursachten. Doch das ist hier völlig normal: Für alles bekommt man eine Tüte in der Tüte, in der Tüte. Meistens landen sie am Ende sogar wieder in unserem Gepäck und reisen mit nach Hause, wo wir sie noch einmal verwenden.
Bang Krachao ist wie eine dörfliche Gegend mitten in der Megacity. Wir lieben es, hier über das Land zu radeln und die Geräusche mit allen Sinnen wahrzunehmen. Man fährt die ganze Zeit durch Feuchtgebiete. Hin und wieder kriecht ein großer, schwerer Waran aus dem Wasser und verschwindet gemächlich im Dickicht. Der Asian Koel mit seinem typischen Ruf begleitet uns auf dem Weg durch das saftige Grün und verleiht der Szenerie genau diesen Klang, den wir so sehr mit Asien verbinden.
Wir machen den ganzen Tag eigentlich Altbewährtes und entdecken dabei doch immer wieder Neues. Aber wie wir gestern schon sagten, sind wir uns nicht sicher, ob es wirklich neu ist oder ob wir es bisher einfach nicht wahrgenommen haben. Bangkok lohnt sich also, alle paar Jahre erneut besucht zu werden. Daran halten wir fest.
Den Linksverkehr haben wir diesmal mit Bravour gemeistert, als wären wir nie auf der anderen Straßenseite unterwegs gewesen. Auch das hat sich verändert. Wir nahmen den Bus zum Lumpini-Park, holten uns ein fancy Getränk und einen Becher Eiswürfel und gingen in den Park.
Unser Ziel war der Pavillon, denn heute fand dort eine Veranstaltung von „Music in the Parks“ statt. Das Royal Bangkok Symphony Orchestra spielte um 17:30 Uhr. Es war toll. Unzählige Menschen saßen auf Campingstühlen und lauschten den Klängen des Orchesters. Passend zum Valentinstag wurde „Can You Feel the Love Tonight“ von Elton John gespielt, während der Asian Koel versuchte, die Geigen mit seinen lauten Rufen zu übertönen.
Wir hatten noch immer nicht genug und wollten noch auf einen der unzähligen Nachtmärkte dieser Stadt. Dafür ist man eine gefühlte Ewigkeit unterwegs. In Shanghai wäre man in dieser Zeit vermutlich schon in der nächsten Provinz. Zuerst fährt man ewig mit der Metro nach Norden, um anschließend noch ein gutes Stück über der Stadt zu laufen. Ja, in Bangkok läuft man tatsächlich über der Stadt, denn viele Gehwege sind als Hochtrassen angelegt, um die Menschenmassen und den Verkehr einigermaßen beherrschbar zu machen.
Der Liabduan Danneramit Night Market war gigantisch. Er war so groß, dass sogar zwei Live-Bands parallel spielen konnten, ohne sich zu stören. Es gab einen Nachbau eines Schlosses, Fahrgeschäfte, eine Sektion mit Kleidung und unzählige Essensstände. Da verliert man schnell den Überblick. Als wir schließlich noch einen Sitzplatz ergatterten, ging einer von uns los und holte zusammen, was wir für ein gutes Bangkoker Abendbrot brauchten.
So ein Nachtmarkt in Thailand ist ein eigener Mikrokosmos. Man kann sich die Augenbrauen zupfen lassen, die Fingernägel machen lassen, seine Sehstärke bestimmen und direkt eine Brille kaufen. Man kann Musik hören, essen, tanzen – und sogar Tiere streicheln. Dort sind wir allerdings schnell weitergegangen, denn es war schon etwas gruselig, was alles eingesperrt war.



































