Montag, 16. Februar 2026

Tempeltag in Bangkok …

Uns stand heute der Sinn nach Shoppen. Das wird hier allerdings in völlig anderen Dimensionen gelebt. In der modernen Innenstadt reiht sich ein riesiger Einkaufstempel an den nächsten. Sie sind so groß, dass man sich darin tatsächlich verläuft. Die Läden sind futuristisch gestaltet, mit lebensgroßen Figuren, riesigen Atrien und überall Bling-Bling und Glitzer. Und dazwischen stehen immer wieder alte Tempel. Goldene Dächer und Räucherstäbchen zwischen Glasfassaden und LED-Wänden. Ein völlig surreales Bild.



Die Malls sind so groß, dass es gleich mehrere komplette Etagen nur mit Essensbereichen und Restaurants gibt. Genau dort entdeckten wir auch ein Haidilao, ein chinesisches Hotpot-Restaurant. Überhaupt fällt auf, dass in den Einkaufszentren vor allem chinesische und japanische Küche dominiert. Fast jedes Restaurant hat seinen Ursprung in einem dieser beiden Länder.



Und wenn wir schon einmal hier sind, mussten wir die Tradition natürlich fortführen. Wir saßen an einem großen Tisch für acht Personen, vor uns eine Feuerschale mit integrierter Kochplatte. Man kann bis zu vier verschiedene Brühen gleichzeitig in den geteilten Topf füllen. Anschließend bestellt man über ein Tablet die Zutaten, die später direkt am Tisch im Sud gegart werden: Enoki-Pilze, Tofuhaut, Rind- und Schweinefleisch, Pak Choi, Wachteleier, Nudeln und vieles mehr. Und wenn man ganz verrückt ist, kann man sogar Schweinehirn, Blutkuchen oder Aorta bestellen.



Außerdem gibt es in diesem Restaurant immer eine große Bar mit unzähligen Zutaten für Soßen, die man sich selbst zusammenstellen kann. Auch in Bangkok bekommt man eine Schürze und sogar eine Hülle für die Kleidung, damit bloß nichts spritzt. Tee und Kaffee kann man sich selbst zapfen, und zum Abschluss gibt es noch Eis.



Auffällig ist auch, wie viel Personal hier im Einsatz ist und das in ganz unterschiedlichen Funktionen. Es gibt einen persönlichen Tischbetreuer, jemanden am Einlass, der die Gäste koordiniert, Mitarbeiter, die ausschließlich Speisen nachfüllen, andere, die nur abräumen, wieder andere, die einen zum Platz begleiten, und wiederum diejenigen, die die bestellten Zutaten direkt an den Tisch bringen. Es ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis.



Und wenn jemand Geburtstag hat, wird standesgemäß lautstark gesungen und mit Schellen in der Hand Musik gemacht. Doch nicht nur deshalb liegt Musik in der Luft. Gerade in Bangkok wird derzeit viel gesungen und gefeiert, denn in diesem Jahr findet das chinesische Neujahrsfest vom 15. bis 17. Februar stat. Morgen ist der große Höhepunkt. Schon heute zogen Löwentänzer und Musiker durch die Shoppingmall und sorgten für festliche Stimmung.



Wir hatten genug vom Einkaufen, fuhren mit dem Bus zurück ins Hotel, brachten unsere Sachen aufs Zimmer und machten uns mit der Metro auf den Weg Richtung Westen. Pünktlich zur goldenen Stunde erreichten wir den Wat Paknam Phasi Charoen. Schon der Weg dorthin hat etwas Besonderes: Ein ruhiger Kanal, kleine Boote, die gemächlich vorbeigleiten, und rote Brücken, die fast ein wenig an chinesische Bauweise erinnern.



Dann steht man plötzlich vor diesem Tempelensemble. Im Inneren des modernen Chedi leuchtet der smaragdgrüne Glaskristall-Buddha. Und draußen erhebt sich die überdimensionale, rund 69 Meter hohe Buddha-Statue über das gesamte Viertel. Im goldenen Abendlicht beginnt sie beinahe zu glühen, während sich die warmen Farben im Wasser des Kanals spiegeln.



Über eine Brücke gelangt man hinüber zum gegenüberliegenden Wat Khun Chan. Dort wirkt alles verspielter: Elefantenfiguren, Tierdarstellungen und Ornamente schmücken das Gelände. Es ist ein spannender Kontrast – hier die monumentale Ruhe des riesigen Buddhas, dort die detailreiche, fast märchenhafte Vielfalt des kleineren Tempels.



Wir liefen durch ein eher heruntergekommenes, einfaches Wohngebiet, fast schon dörflich. Keine Hochglanzfassaden, nichts Futuristisches, sondern niedrige Häuser, enge Straßen und dieses leicht Unfertige und Alte, das Bangkok eben auch ist. Wir lieben diese Gegenden. 



Dort entstand nun auch ein sogenanntes Hawker Center, eine Art überdachter, fest organisierter Bereich mit vielen kleinen Essensständen und Sitzplätzen. Früher befand sich hier ein großer Straßenmarkt mit Garküchen. Es hieß einmal, Bangkok wolle die Garküchen von den Straßen verbannen. Dabei sind sie doch genau das, was diese Stadt ausmacht. Tatsächlich erleben wir immer mehr dieser gebündelten Essenszentren, in denen die Stände an einem festen Ort zusammengeführt werden.



Wenig später gelangten wir zum First One Night Market, der richtig schön war. Auf jedem Markt findet man ein etwas anderes Speisenangebot und immer etwas Besonderes, das es so nur dort gibt. Es gab gemütliche Sitzplätze, kühle Getränke und Musik. Also eine entspannte Atmosphäre. Man konnte wunderbar dasitzen, sich verschiedene kleine Snacks holen und einfach die Menschen um sich herum beobachten.



Das Schöne ist: In Bangkok oder in Thailand allgemein kann jeder so sein, wie er möchte. Das würde ich mir manchmal auch bei uns wünschen. Geschlecht scheint hier weniger starr gedacht zu werden. Zwischen männlich und weiblich ist vieles möglich. Menschen tragen, was sie wollen, drücken sich aus, wie sie sich fühlen, und müssen sich nicht zwangsläufig festlegen.



Es ist schon irgendwie erstaunlich, dass diese Denkweise und diese Toleranz so stark religiös geprägt sind. Der Buddhismus wird hier in ganz anderen Dimensionen gelebt als das Christentum bei uns. Im Kern geht es darum, in Harmonie miteinander auszukommen und anderen mit Akzeptanz zu begegnen.



Buddha steht für Mitgefühl, Achtsamkeit und ein aufrichtiges Leben. Viele glauben daran, dass jede Handlung Konsequenzen hat und man durch gutes Verhalten positives Karma sammelt. Ziel ist es, irgendwann ins Nirwana zu gelangen. Und als Mensch wiedergeboren zu werden, gilt als etwas, das man sich durch ein aufrichtiges Leben erst verdienen muss.



Auf dem Markt gab es auch einen Gabentisch mit Cola, Wasser, einem Schweinekopf, gebratenem Hühnchen und Reis. Offensichtlich im Zusammenhang mit dem chinesischen Neujahrsfest, das hier überall spürbar war. Viele Menschen laufen in traditionellen chinesischen Kleidern umher, oft in leuchtendem Rot. Die Farbe dominierte das Bild: rote Lampions, Laternen und Dekorationen an Ständen und Eingängen. Alles zusammen ergibt ein sehr stimmungsvolles, festliches Bild.