Es sollte ein aufregender Tag werden, denn heute war der Höhepunkt des chinesischen Neujahrsfestes, das hier in Bangkok groß gefeiert wird. Rund 15 Prozent der Bevölkerung haben chinesische Wurzeln. Bereits um 9.30 Uhr wurde vor unserem Hotel das Jahr des Pferdes eingeläutet.
Trommeln hallten direkt vor unserem Hoteleingang, Drachen und Löwen sprangen und tanzten. Immer wieder wurden ihnen rote Umschläge und Mandarinen in den Mund gesteckt – Glück zum Mitnehmen für das neue Jahr. Waghalsig kletterten die Tänzer an dem aufgebauten Gerüst empor, zündeten Feuerwerk und ließen den Drachen um den Turm kreisen. Was für ein Spektakel und das alles direkt vor unserer Tür.
So ganz ungefährlich wirkte das alles nicht. Die Jungs, die auf den etwa acht Meter hohen Turm kletterten, waren gerade einmal mit einem schmalen Satinband gesichert. Die Trommeln waren so laut, dass man das Dröhnen noch lange danach in den Ohren spürte. Die Feuerwerkskörper krachten direkt an die Außenfassade des Gebäudes. Wir rechneten jeden Moment mit der Feuerwehr und überlegten im Kopf schon, wie wohl die verschiedenen Erste-Hilfe-Materialien auf Englisch heißen, die wir im Zweifel gleich brauchen könnten. Sogar der Gedanke kam auf, wie man im Ernstfall abgetrennte Gliedmaßen fachgerecht sichert. Es dürfte jedenfalls ein arbeitsreicher Tag für die Rettungsdienste gewesen sein.
Für uns ging es los, natürlich in Richtung Chinatown, wo sonst hin an diesem Tag. Unterwegs holten wir uns an einem kleinen Stand einen Kaffee. Wahrscheinlich machte die Oma das noch nicht allzu oft. Besonders niedlich war, wie sie uns den Löffel hinhielt, damit wir probieren konnten, ob die Süße für uns angenehm ist.
Wir landeten in einem muslimischen Viertel. Heute beginnt übrigens auch der Ramadan. Und nur wenige Meter entfernt saßen wir mit einer Suppe auf Plastikstühlen. Während nebenan gefastet wird, schlürften wir unsere Brühe mit Schwein. Dieser Kontrast war schon bemerkenswert.
Wir liefen die Song Wat Road entlang, die sich mittlerweile ebenfalls zu einem Hipsterviertel entwickelt hat, mit Galerien, schönen alten chinesischen Häusern und viel Street Art. Die aufgerissenen Bordsteine lassen bereits erahnen, wie es hier spätestens in einem halben Jahr aussehen wird. Es ist schade zu sehen, wie vieles modernisiert wird.
Bei chinesischen Touristen gibt es immer wieder Skurrilitäten, die wir nicht ganz verstehen. Alles wird fotografiert, bestaunt und für die Ewigkeit festgehalten. Manchmal fragen wir uns wirklich, was genau sie hier suchen oder sehen, so wie wir es auch schon in Shanghai erlebt haben.
Am Wat Mangkon Kamalawat waren wir also mitten im chinesischen Viertel Bangkoks. Hier war die Hölle los. Es ist der wichtigste Tempel der chinesischstämmigen Bevölkerung der Stadt und natürlich pilgern auch zahlreiche Touristen hierher. Die meisten kommen tatsächlich vom chinesischen Festland.
Die Stimmung war wundervoll. Es waren zwar viele Menschen unterwegs und die Straßen waren ein Meer aus Rot: Rot gekleidete Menschen, rote Lampions, Drachenfiguren, rote Plüschpferde und festliche Kostüme in den Auslagen. Überall stapelten sich Figuren, Anhänger und Neujahrsartikel. Die Stimmung war fast überwältigend und zugleich festlich. Das war allerdings nur eine simple Version des chinesischen Neujahrsfestes. Die großen Festlichkeiten wurden nämlich aufgrund der vor Monaten verstorbenen Königin abgesagt. Trauer wird hier zwölf Monate gehalten.
Rund um Chinatown haben wir auch einige Tempelanlagen besucht. Und während wir in Bangkok bislang noch nirgends Elefanten entdeckt haben, setzt man hier auf Krokodile. Drei gigantische Raubtiere lagen auf engstem Raum in einem betonierten, mit Wasser gefüllten Becken. Nicht unsere Welt. Wir sind schnell weitergegangen.
Wir liefen zum nächsten Fähranleger am Chao Phraya und nahmen ein Boot in Richtung der ikonischen IconSiam Mall. Es ist jedes Mal schön, diesen Fluss per Boot zu überqueren. Dabei hat man eine fantastische Aussicht auf die glitzernden Häuserfassaden entlang des Ufers. Gegenüber der Mall hängt über mehrere Stockwerke hinweg ein riesiges Porträt des Königs. Die IconSiam gilt als eine der bekanntesten und für Touristen interessantesten Malls der Stadt. Zum chinesischen Neujahrsfest ist es fast ein Muss, hier vorbeizuschauen.
Es war brechend voll, doch hier wird einem wirklich alles geboten. An oberster Stelle steht der Souk Bereich, ein thailändischer Markt im Erdgeschoss, der wie ein Floating Market gestaltet ist. Er ist in verschiedene Regionen Thailands unterteilt, sodass man Speisen aus allen Teilen des Landes probieren kann. Tatsächlich liegen dort sogar kleine Boote im Wasser, von denen aus Waren verkauft werden. Die Preise touristisch.
Mitten in der Mall stürzt außerdem ein großer Wasserfall mehrere Stockwerke in die Tiefe und erinnert ein wenig an den Changi Airport in Singapur. Und man kann sogar mit einem Zug durch die Stockwerke fahren. Ein Highlight ist auch die große Aussichtsterrasse mit weitläufigem Blick über den Chao Praya.
Zum chinesischen Neujahrsfest wurde zusätzlich ein Tempel nachgebaut, der historisch mit diesem Ort verbunden ist. Wir schlenderten noch durch ein paar Läden, um die Zeit bis zum großen Festakt zu überbrücken. Punkt 19 Uhr verwandelte sich der River Bank Park des IconSiams in ein großes chinesisches Neujahrsfest. Zuerst gab es eine Lichtprojektion auf die großen Fontänen vor der Mall, und man sah galoppierende Pferde über den Chao Phraya schweben.
Anschließend ging es auf der Bühne weiter mit traditionellen thailändischen und chinesischen Tänzen, darunter auch filigrane Fingertänze in prachtvollen Kostümen. Den Abschluss bildeten Löwentänze und ein 32 Meter langer, LED beleuchteter Drache. Was für ein Spektakel. Was für ein wundervoller chinesischer Neujahrstag.













































