Wir stiegen wie jeden Morgen in den Bus, aber diesmal war es der letzte Morgen. Und der letzte Bus, der uns zum Pier am Chao Phraya brachte. Kaum steigt man vom Boot, dauert es keine 30 Sekunden, bis man den ersten Wasserapfel und den ersten Thai Tee in der Hand hält. In Bangkok verhungert man garantiert nicht.
Das wahrscheinlich größte Highlight der Stadt ist der Grand Palace. Und genau in dieser Gegend befinden wir uns heute. Einmal waren wir schon dort, ganz früh am Morgen, als wir mit dem Nachtzug aus Chiang Mai angekommen sind. Generell meiden wir jedoch diese Menschenmassen.
Auf dem großen Sanam Luang, einer weiten grünen Freifläche, die für Paraden und große Anlässe genutzt wird, standen massenweise Festzelte, darin wiederum Reihen aus weißen Plastikstühlen. Wir vermuten, dass es sich um einen Trauerort für die Thais handelt, um der im Oktober verstorbenen Königin zu gedenken. Genau wissen wir es allerdings nicht.
Wir spazierten ein wenig über das Gelände der Thammasat University und holten uns an den umliegenden Märkten ein paar regionale Köstlichkeiten, um uns anschließend in den Park am Chao Phraya zu setzen und die Sonne zu genießen.
Die riesigen Blechlawinen, die hier tagtäglich durch die Straßen ziehen, müssen natürlich auch irgendwo abgeparkt werden. Dafür gibt es Parkdecks, wie wir sie schon häufiger in Asien gesehen haben. Man fährt das Auto hinein, es wird per Lift nach oben transportiert und automatisch eingeparkt. Wenn man es zurückhaben will, gibt man einen Code ein, wartet vor der Tür und kurze Zeit später steht das Auto wieder unten.
Manches ist hier erstaunlich modern, bei anderem schauert es einen. In einer Seitenstraße lag Fleisch zum Trocknen in der Sonne, während die Fliegen darüber schwirrten. Wenige Meter weiter transportierte ein LKW Fleisch in Plastiktüten, ohne Kühlung, in der prallen Hitze durch die Stadt.
Wir liefen gerade durch die Straßen und unterhielten uns darüber, dass das Rauchen von E Zigaretten in Thailand strengstens verboten ist und man dafür sogar ins Gefängnis kommen kann. Wenig später bogen wir um die Kurve in eine Tempelanlage und sahen einen Mönch auf dem Balkon stehen, der genüsslich an einer riesigen E-Puffe zog und in einer große Dampfwolke verschwand.
Wir liefen durch ein sehr spartanisches Wohngebiet. Tatsächlich bekommt man hier ein gutes Gefühl dafür, wie die Menschen leben. Oft gibt es nur eine einfache Holztür. Dahinter befindet sich ein einziger Raum. Fenster sind keine zu sehen. Helligkeit kommt nur hinein, wenn die Tür offen steht. Das Mobiliar ist auf das Nötigste reduziert. Keine großen Schränke, keine sichtbaren Einbauten, kaum Stauraum. Vieles, was die Familien besitzen, steht draußen am Wegesrand. Außerdem gibt es zentrale Waschplätze mit Waschmaschinen für die umliegende Bevölkerung. Hin und wieder versteckt sich in den Häusern eine Nähstube.
Du biegst um die Ecke auf eine belebte Straße und plötzlich stehen dort wieder unzählige Menschen mit dem Handy in der Hand und filmen irgendetwas. Tatsächlich nutzen viele Thais TikTok, um ihren Umsatz zu steigern. Der Thai Tee Laden nebenan streamt live, wie die Becher gefüllt werden. Ein paar Meter weiter filmt sich jemand beim Brutzeln von Austern Omeletts. Dadurch wird der Stand zum Trend, obwohl er im Grunde nichts anderes macht als die anderen.
Und genau das funktioniert. Ein bisschen Aufmerksamkeit im Netz und schon stehen mehr Leute davor. Währenddessen sitzen ein paar Meter weiter Männer auf dem Bordstein, schrauben an Motoren herum und reparieren Mopeds.
Wir liefen einfach so durch die Gegend, ohne ein konkretes Ziel, und landeten dann am Wat Ratchapradit, der uns besonders gefällt, weil er so idyllisch an den Klongs liegt. Er hat einen gewaltigen Chedi, der schon von Weitem auffällt. Die Besonderheit sind allerdings die Holzfiguren im Eingangsportal. Fein geschnitzt und sehr detailreich gearbeitet.
Der Tempel ist ruhiger als viele andere in dieser Gegend. Vielleicht liegt es daran, dass er ein wenig im Schatten des Großen Palastes steht, obwohl er von außen durchaus beeindruckend wirkt. Für uns ist es einer der Tempel, an dem man gern ein paar Minuten länger verweilt.
Wir kamen zum Yodpiman Flower Market. Ein beeindruckender, etwas ursprünglich wirkender Blumenmarkt direkt am Chao Phraya mit viel traditionellem Flair. Überall stapelten sich Chrysanthemen, Rosen, Orchideen und Girlanden aus Jasmin. Chrysanthemen werden hier nicht nur als Schnittblumen verkauft, sondern auch zu Getränken verarbeitet. Zwischen den Blütenmeeren saßen Arbeiterinnen und banden Kränze und Opfergaben für Tempel.
Wir suchten eine kleine Sackgasse, die von dieser Flussseite einen traumhaften Blick auf den gegenüberliegenden Wat Arun freigibt. Vor vier Jahren waren wir hier bei Sonnenuntergang. Damals standen nur eine Handvoll Menschen auf der Straße und man konnte wundervolle Bilder machen. Heute war hier die Hölle los. Fotografen, Menschen in traditioneller Kleidung, fancy Cafés. Schade, wirklich schade.
Wir nahmen ein letztes Mal ein Boot entlang des Flusses bei untergehender Sonne. Es war eine besondere Stimmung. Der Chao Phraya war voll mit Lastkähnen, Ausflugsbooten und Partyschiffen. Alles wirkte in Bewegung. Das Boot hatte noch nicht richtig angelegt, da wurde schon signalisiert, dass man bereitstehen und am besten direkt hinausspringen soll, sobald es den Steg berührt.
Die untergehende Sonne spiegelte sich in den Wolkenkratzern, tauchte den Fluss in warmes Licht und ließ selbst das hektische Treiben für einen Moment golden erscheinen. Als die Sonne unterging, war es für uns Zeit, zurück zum Hotel zu laufen und unser Gepäck zu holen. Da es sich inzwischen verdoppelt hatte, gönnten wir uns ein Taxi.
Es war einfach nur irre, wie dieses Fahrzeug wie ein Geschoss über den vollgestopften Expressway donnerte, als gäbe es kein Morgen. Wir hatten zwar jeden Tag 35 Grad, aber so geschwitzt habe ich in der gesamten letzten Woche nicht.
















































