An diesem Morgen nahmen wir das Flussboot, weil man auf dem Chao Phraya wirklich schnell vorankommt. Außerdem ist der Blick auf die unzähligen Tempel und die halb verfallenen Stelzenhäuser einfach fantastisch. Der Fluss selbst ist voller Wasserpflanzen und treibendem Müll. Vögel sieht man nur wenige. Ab und zu sitzt ein Reiher am Ufer oder lässt sich still auf dem Wasser treiben.
Kommuniziert wird auf dem Schiff übrigens über eine Pfeife. Der Mann am Bug gibt Signale, wie weit der Kapitän drehen soll, ob er näher ans Ufer heranfahren muss oder wieder starten kann. Im Grunde ist so eine Fahrt auf dem Chao Phraya nichts anderes als eine Busfahrt auf dem Wasser. Das Boot hält an jeder Station, nimmt neue Passagiere auf und setzt andere ab. Dabei fährt es im Zickzack über den Fluss, um beide Ufer zu bedienen.
Es war erst einmal Zeit für eine Nudelsuppe, bevor wir uns in die berüchtigte Khao San Road stürzten. Warum berüchtigt? Weil sie absolut nicht unser Ding ist. Eine Partymeile mit unzähligen Cannabis Geschäften. Einst war die Khao San Road ein echter Sehnsuchtsort für Backpacker aus aller Welt. Hier begann für viele die große Reise, damals, als das weltweite Backpacking gerade erst richtig Fahrt aufnahm.
Heute wirkt es eher wie ein Ort, an dem sich viele Party Touristen mit Alkohol volllaufen lassen und hoffen, den nächsten Morgen halbwegs zu überstehen. Die Parallelstraße wirkt am Tag dagegen richtig idyllisch und hübsch, mit kleinen Cafés unter schattigen Bäumen. Am Abend würden wir diese Gegend auf jeden Fall meiden.
Wir waren wieder auf der Suche nach Lost Places, nach alten, ehrwürdigen Gebäuden mit Geschichte. Doch auch sie sind verschwunden oder fallen der Modernisierung und Neubauten zum Opfer. Bangkok verändert sich. Ab und zu kamen wir an einem Kanal vorbei. Zum ersten Mal haben wir gesehen, dass Müllsammler auch vom Boot aus arbeiten und den Klong zumindest ein Stück weit sauber halten.
Erstaunlich ist, wie viele Fische in den Klongs und im Chao Phraya schwimmen. Genau diese Fische landen später auf den Märkten, werden gegrillt oder in einer Salzkruste angeboten. Man möchte allerdings lieber nicht darüber nachdenken, wie viel Abwasser in diese Kanäle geleitet wird. Ansonsten ist Müll hier ein allgegenwärtiges Thema, zumindest gefühlt. Aber längst nicht in dem Ausmaß, wie wir es in Sri Lanka erlebt haben.
Wir liefen ohne ein besonderes Ziel einfach durch die Straßen. Es ist unser vorletzter Tag. Also versuchen wir, noch so viel wie möglich Streetfood zu essen, vor allem Früchte. Überall findet man Guaven, Wasserapfel, Mangos, Papayas, Ananas und vieles mehr.
Gestern hörten wir einen Podcast von Leuten, die in Bangkok waren und denen es viel zu heiß war, auf der Straße zu essen, aus Angst, sich den Magen zu verderben. Für uns unvorstellbar. Wir haben bisher viermal Bangkok überlebt. Außer die Schärfe vom Papayasalat, die hat mich einmal für einen Tag ausgeknockt.
Wir landen auf dem Thewet Market, einem sehr ursprünglichen Markt. In großen, wassergefüllten Schüsseln leben Aale, Frösche und allerlei anderes Getier aus dem Wasser. Das ist nur etwas für Hartgesottene. Am Boden rinnt hin und wieder Wasser entlang. Es ist gut, wenn man nicht weiß, in welche Flüssigkeitsgemische man da hineintritt.
Ein Frosch kostet übrigens rund einen Euro. Die Frage ist nur, ob man das wirklich möchte. Wir wissen nicht einmal, wie Frosch eigentlich zubereitet wird. Zumindest brutzelten hier auch die Schweineschwarten ohne offenem Feuer oder Gas in der Sonne.
Rund um den Tempel fanden wieder Rituale statt, die wir nicht ganz verstanden. Jemand saß am Ufer, las von einem Zettel, im Schatten, während eine andere Person einen Schirm über ihn hielt. Dann wurde Wasser in eine große Schüssel mit Fischen gegossen. Schließlich nahm man einen Fisch heraus und setzte ihn in den Fluss. Das muss etwas Spirituelles gewesen sein. Danach ging es weiter zum Tempel, um dort zu beten. Wir wissen nicht genau, was es bedeutete, aber es schien wichtig zu sein.
In Bangkok gibt es über vierhundert Tempel. Gefühlt vergeht kein Meter, ohne dass irgendwo ein goldener, verzierter Giebel zwischen den Häusern hervorblitzt. Wenn die Sonne darauf fällt, bricht sich das Licht im Gold und in den bunten Mosaiken. An vielen Dächern hängen kleine Glocken, die im Wind leise läuten. Diese Orte schaffen kleine Ruheoasen im Lärm der Stadt. Außerdem sind sie ein guter Anlauf falls man mal eine Toilette benötigt. Das kommt bei der Hitze aber sehr selten vor.
Das Ziel an diesem Abend zur goldenen Stunde war der Golden Mount, Wat Saket. Eine wunderschöne Tempelanlage, die man sich erst erkämpfen muss, denn man läuft hinauf auf einen künstlich angelegten Hügel von etwa 80 Metern Höhe.
Der Weg nach oben führt über viele Stufen, vorbei an kleinen Wasserfällen, viel Grün und unzähligen Glocken, die im Wind läuten. Alles ist liebevoll gestaltet und gepflegt, fast wie eine kleine, abgeschlossene Welt mitten in der Stadt. In dem dichten Grün versteckt sich allerhand Getier, das man hier oben gar nicht erwarten würde. Wir haben sogar eine kleine Schlange gesehen und verschiedene Vögel.
Oben angekommen hat man eine wundervolle Aussicht über Bangkok. Ein leichter Wind weht hier oben, Fahnen flattern, aus einem Lautsprecher erklingen Mönchsgesänge. Und über allem steht der goldene Chedi, der im Abendlicht besonders intensiv leuchtet.
Wir nahmen den Bus und quälten uns noch einmal in die zentrale Innenstadt, um ein paar Erledigungen zu machen. Weg kamen wir von dort jedoch nicht mehr. Kein Fahrzeug bewegte sich mehr, der Verkehr stand komplett still. Also traten wir den Heimweg zu Fuß an.




















































