Donnerstag, 19. Februar 2026

Bangkok - Stadt der Kontraste …


Wenn man morgens das Hotel verlässt, fühlt man sich wie eine Figur in einem Jump and Run Computerspiel. Zuerst der Weg zum Lift. Dort wartet man übrigens ewig. Dann hält der Aufzug auf unzähligen Etagen. Danach geht es durch die Lobby um die Ecke. Man steuert die Ausgangstür an, die wird aufgehalten, landet vor einem Taxi, in das gerade Koffer eingeladen werden, muss darum herum manövrieren, um schließlich auf dem Bordstein zu stehen und den Tourenanbietern auszuweichen. Als Nächstes sucht man eine günstige Gelegenheit, um die Straße halbwegs heil zu überqueren. Und zuletzt checkt man noch einmal in der App, ob der Bus schon fast da ist und man die letzten Meter zur Haltestelle rennen muss.




Wir landeten am Si Phraya Pier, wo ein Mitarbeiter lautstark Celine Dions „My Heart Will Go On“ am Ufer des Chao Phraya sang. Der Fluss ist sehr geschäftig. Kleine Fähren, unzählige Fischerboote und riesige, flache Lastkähne, die Baumaterial Richtung Norden transportieren. Sie haben keinen eigenen Antrieb und werden von Schub oder Schleppbooten durch den Fluss manövriert.




Wir setzten uns auf eine Fähre, die am Großen Palast plötzlich nur noch aus Einheimischen bestand, und steuerten den Wang Lang Markt an. Selbst vor vier Jahren war es noch ein authentischer Markt der Einheimischen und völlig anders als die übrigen Märkte der Stadt, idyllisch gelegen am Chao Phraya. Auch hier merkt man inzwischen, dass modernisiert wurde. Von Touristen ist er allerdings weiterhin nur wenig frequentiert. Das Essensangebot ist hier jedoch immer noch etwas Besonderes. Also suchten wir uns ein paar Dinge zusammen, liefen über das große Gelände des Siriraj Hospitals und frühstückten unten am Pier.




Heute ist unser Tempeltag. Wir wollen das Westufer des Chao Phraya vom Wang Lang Markt bis zur Taksin Brücke zu Fuß erkunden. Die Gegend ist gesäumt von einem prachtvollen Bau nach dem anderen, Tempel, alte Häuser und immer wieder Ausblicke auf das Wasser.




Die Luft steht in dieser Stadt. Die Sonne scheint hier nur schwach und auf den Fotos liegt überall ein gelblicher Schleier. Bangkok ist eine gigantische Smogglocke. Nicht umsonst gibt es Mini Inhaler in jedem 7 Eleven. Aber Vorsicht. Wenn du den Inhalator ins Nasenloch steckst, ziehe nicht zu kräftig. Es ätzt dir die in Schleimhäute weg. 




Wir bestaunten also die goldenen Dächer, die unzähligen Buddha Figuren und kunstvoll verzierte Giebel und liefen weiter Richtung Süden. Der wohl bekannteste Tempel hier ist der Wat Arun, der Tempel der Morgenröte.




Charakteristisch ist der hohe, zentrale Prang, der etwa 70 Meter in den Himmel ragt. Er ist mit unzähligen Blütenmustern aus Porzellan und Keramikfragmenten verziert, die im Sonnenlicht schimmern. Die steilen Treppen führen hinauf zu kleinen Plattformen, von denen man einen weiten Blick über den Fluss und die Stadt hat.




Nicht nur der Tempel selbst ist sehenswert, sondern das gesamte Gelände, das liebevoll instand gehalten wird. Überall stehen Bonsai Bäume, gepflegte Rasenflächen und große Kriegerstatuen. Es ist tatsächlich eine wundervolle Fotokulisse. Am Tempel war die Hölle los. Kein Wunder, dass der Eintrittspreis hier noch einmal drastisch erhöht wurde und für thailändische Verhältnisse exorbitant ist. Die asiatischen Touristen machen an den großen Sehenswürdigkeiten das, was sie vielerorts tun. Sie werfen sich in traditionelle Kleidung und posieren für Fotos vor der beeindruckenden Kulisse. 




Und unabhängig davon, dass es jeder macht, sehen die Menschen in ihren traditionellen Gewändern wirklich sehr hübsch aus. Das Fotografieren läuft hier professionell ab, denn es gibt eigene Tempel Fotografen, die die perfekten Aufnahmen inszenieren. Man kann sich also streiten, ob der Wat Arun zu einer gigantischen Fotokulisse verkommen ist oder genau zu dieser verkommt. Der Tempel wirkt stellenweise fast nur noch wie eine Bühne.




Es geht weniger um die Sehenswürdigkeit selbst als um das Bild, das man von sich davor macht. Früher wollte man sehen, was man aus Abenteuergeschichten kannte. Dann wollte man fotografieren, was man zuvor auf Bildern gesehen hatte. Irgendwann kamen die Selfies dazu. Und heute inszeniert man sich mit Kostüm und privatem Fotografen vor imposanten Kulissen. Was kommt als Nächstes?




Wir besuchten den Wat Prayurawongsawat Worawihan. Vor Jahren entdeckten wir ihn noch in einem Bangkok Insider Buch, in dem stand, dass man hier idyllisch an einem großen Schildkrötenteich sitzen kann und ihnen ab und zu ein Stück Papaya mit einem langen Stab in den Mund reicht. Mittlerweile stehen auf dem Tempelgelände unzählige gelbe Fahrräder einer Bangkok Bicycle Tour. Menschenmassen sitzen am steinigen Ufer und stopfen die Schildkröten mit Wurst und Bananen voll. Es ist nicht mehr das Erlebnis, das es einmal war. Die Schildkröten sind allerdings ordentlich gewachsen und vermutlich schon so lange dort, seit wir sie das erste Mal gesehen haben.

Nach dem Schildkrötentempel landeten wir in niedrigen, gassenförmigen Wohnvierteln, in denen sich das Leben draußen abspielte. Viel Platz schien es in den Häusern nicht zu geben. Menschen saßen vor ihren Türen, Kinder spielten zwischen Mopeds, gekocht wurde auf kleinen Gaskochern am Straßenrand. Vieles wirkte einfach und sichtbar in die Jahre gekommen. Und während wir dort entlangliefen, tauchten wir wenig später wieder in die Glitzerwelt des IconSiam ein. Ein Einkaufspalast-Palast in dem man mühelos ein kleines Vermögen lassen kann. Diese Kontraste sind brutal. Dort einfache Verhältnisse, hier Konsum im Überfluss. Und man steht dazwischen und fühlt sich nicht besonders gut dabei.



Ein weiterer Kontrast zeigte sich rund um die Taksin Brücke. Unterhalb des gigantischen Bauwerks spielten Einheimische Fußball und Tennis. Es gab einen Jogging Rundweg, einen Thai Box Ring und sogar einen Outdoor Fitnessbereich mit einfachen Geräten. Ältere Herren saßen an steinernen Tischen mit eingelassenem Spielfeld und spielten Makruk, ein traditionelles thailändisches Brettspiel. Kinder tobten auf dem Spielplatz, ganz selbstverständlich unter der massiven Beton Konstruktion. Und nur wenige Meter weiter zog ein riesiges Partyboot vorbei, die Princess of Chao Phraya. Oben tanzten Menschen zu lauter Diskomusik und tranken teure Cocktails, während unten ganz normales Alltagsleben stattfand. Die Gegensätze liegen hier oft nur ein paar Meter auseinander.




Zum Sonnenuntergang über die Brücke zu laufen, ist ein fantastischer Moment. Man hat einen weiten Blick entlang des Chao Phraya mit seinen glitzernden Hochhäusern. Die Hochbahn fährt direkt neben einem entlang. Am anderen Ufer des Flusses bewegten sich ältere Damen im Takt lauter Musik und machten gemeinsam Zumba.




Von hier aus sieht man auch den Sathorn Unique, besser bekannt als Ghost Tower, eine Bauruine, die seit den 1990er Jahren unvollendet das Stadtbild rund um den Sathorn Pier prägt. Inzwischen holt sich die Natur das Gebäude langsam zurück. Aus den Balkonen wachsen Pflanzen, Grün zieht sich durch den Beton und verleiht der Ruine etwas Eigenartiges, fast Verwunschenes.




Wir bogen in eine lebendige Seitenstraße ab, nahmen auf Plastikstühlen Platz, tranken ein eiskaltes Chang Bier und aßen natürlich Nudelsuppe. Dazu stehen auf jedem Tisch kleine Gewürzständer bereit. Ganz oben steht Zucker. Daneben eine dunkle Würzsauce, getrocknete Chilis, eingelegte Chilis, scharfe Essig Chili Sauce, Erdnüsse und getrocknete Shrimps.





Bangkok steckt voller Kontraste, große Unterschiede zwischen Morgen und Abend. In dem Verkehrschaos an der Straße zu sitzen, Suppe zu schlürfen und das Treiben zu beobachten, ist genau das, was wir mit Bangkok verbinden.