Mittwoch, 18. Februar 2026

Future lab Bangkok …

In Bangkok verschiebt sich die Zeit, sodass man später nach Hause kommt und später den Tag beginnt. Was eine halbe Stunde ausmacht, haben wir heute auf der Busfahrt gemerkt. Die Straßen waren völlig zugestopft.



Apropos Busse, diese scheinen jetzt alle in staatlicher Hand zu sein. Noch vor vier Jahren konntest du mit einem klapprigen Bus, einem Loch in der Bodenplatte und einem angeleinten Frettchen, das dem Besitzer gehörte, durch Chinatown schunkeln. 



Wir kamen entlang der Chulalongkorn Universität. Die Gebäude wirken fast wie ein Tempelpalast, mit hellen Fassaden, klaren Linien und einer Architektur, die eher an königliche Anlagen erinnert als an eine Universität. Hier studiert es sich bestimmt wunderbar.




Wir ließen uns wieder in einem modernen Stadtteil mit den unzähligen Malls rauswerfen. Shoppen stand heute aber nicht auf unserem Plan, sondern wir wollten entdecken. Unser erster Weg führte ins Siam Paragon. Was für ein futuristischer Konsumtempel. Hier gibt es Hightech Dinge, die du noch nie zuvor gesehen hast. Kleine Service Roboter fahren durch die Gänge, Technik wird wie Kunst inszeniert, und tatsächlich kann man hier sogar Roboterhunde kaufen.



Das Highlight ist aber Nextopia. Nextopia versteht sich als eine Art Modell einer Stadt der Zukunft und erstreckt sich über eine riesige Fläche innerhalb des Siam Paragon. Hier geht es nicht nur um Technik, sondern um Ideen für ein modernes und nachhaltiges Leben. Mehr als fünfzig Innovationspartner zeigen Konzepte, Produkte und Visionen, die den Alltag smarter und umweltbewusster machen sollen. Es wirkt fast wie eine kleine Fantasiewelt mit einem Wasserfall und viel Grün aus nachhaltigen Materialien, in der gezeigt wird, wie Zukunft aussehen könnte.




Dort wird unter anderem präsentiert, wie Pflanzen in Gebäuden wachsen können. In Regalen stehen Salatköpfe unter speziellem Licht, gezüchtet ohne Sonne, kontrolliert und technisch begleitet. Selbst die Seife auf Toilette ist aus dem Lemongrass hergestellt, welches Indoor gezüchtet wurde. 



Nextopia ist also eine Mischung aus Design, Innovation und einem Blick darauf, wie Stadtleben künftig funktionieren könnte. In  dieser Mall verschlägt es uns selbst noch die Sprache und wir haben viel gesehen. Auch die Toilette ist wahnsinnig aufwendig gestaltet. Es gibt einen Outdoor Bereich für Haustiere, eine digitale Anzeige zur Toilettennutzung und der Stillraum wirkt luxuriöser als unser eigenes Wohnzimmer. Ein wahnsinniges Future Lab.



Vom Prinzip her bestand der Tag daraus, Dachgärten zu besuchen. In jedem dritten Hochhaus hat man hier eine tolle Aussicht auf das Häusermeer oder kann zumindest unter Bäumen in der Sonne sitzen. Ruhe brauchten wir auch, bevor wir das MBK Center betraten.



Das MBK ist im Grunde wie der Chatuchak Markt, nur in eine Mall verpackt. Auf acht Etagen verteilen sich rund 2000 Geschäfte und Stände. Es war wuselig voll Menschen, die alle versuchten, irgendwo ein Schnäppchen zu ergattern. Für uns war es eindeutig zu voll. Wir sind geflüchtet.



Spektakulär ist auch der One Siam Skywalk. Hier betritt man die Straße kaum noch. Man bewegt sich zwar unter der Hochbahn, aber über den Autos. Selbst einen gigantischen Kreisverkehr kann man zu Fuß überqueren. Jede Shopping Malls ist zudem mit diesen Skywalks verbunden, so dass du die Straße wirklich nicht einmal betreten musst. Am eindrucksvollsten war die Dior Filiale - ein goldener Megabau mit hübschem kleinem Park. Bangkok wirkt an diesem Tag, als wäre die Stadt hundert Jahre in die Zukunft gedacht.



Das Jim Thompson Haus, etwas abseits der großen Straße an einem Klong gelegen, war ein völliger Kontrast zu all dem Glas und Beton. Mehrere traditionelle Teakholzhäuser stehen dort auf Stelzen. Es wirkt ruhig, fast wie eine andere Zeit. Zwischen den Gebäuden hängen rote Schirme, die ein wenig an Japan erinnern. Dazwischen viel Grün, ein großer Koi Karpfenteich und schmale Holzstege, die die einzelnen Häuser verbinden. Alles wirkt fast wie eine kleine Oase mitten in der Stadt.



Genau hier auf der gegenüberliegenden Seite des Klongs wollten wir uns niederlassen, weil das Essen dort immer so gut geschmeckt hat. Doch bei all den Veränderungen, die in dieser Stadt in kürzester Zeit passieren, verschwinden eben auch Dinge, die man liebgewonnen hat. Garküchen stehen nicht mehr dort, wo sie einmal waren. Alte Graffiti Parks sind neuen Häusern gewichen. Jede Veränderung hat ihre Schattenseiten. Und jede Rückkehr bedeutet auch, dass man manches nicht mehr wiederfindet, was man einmal hier gesehen hat.



Wir verschwanden im endlosen Gewimmel des Pratunam Marktes. Zwischen thailändischen, chinesischen und auch indischen Waren stapelten sich die Auslagen. Es war unnormal voll und so eng, dass man kaum vorankam. Menschen schoben sich durch schmale Gassen, Stoffe hingen von allen Seiten herunter.



Mitten im Markt wurde jedoch auch hier ein Hawker Center eingerichtet. Ein fester Essensbereich mit vielen kleinen Ständen und gemeinsamen Sitzplätzen, der uns eine dringend nötige Pause verschaffte. Außerdem ist es wahnsinnig heiß mit 35°C. Keine Ahnung, warum manche Einheimische hier noch Pullover tragen. 




Am Abend landeten wir in der Sukhumvit Road, einem bei Touristen beliebten Viertel, in dem viele Menschen ihre Unterkunft in Bangkok haben. Für uns war es die Hölle. Die Straßen waren völlig zugestopft, es bewegte sich kein Auto mehr. Überall sah man ältere Herren mit jungen Thai Frauen. Und wenn Viagra ohne Rezept offen auf der Straße verkauft wird, ist es für uns Zeit zu verschwinden.