Freitag, 2. Januar 2026

Sri Lanka - Lärm und Abgase von Kandy …


Heute wurden wir zum Frühstück eingeladen. Zumindest galt das als ein guter Kompromiss, weil wir unsere Unterkunft bar bezahlten und sonst 3% Gebühr für die Inhaber angefallen wären. Wie immer wurde immer mehr aufgetischt. Und wie immer war es viel zu viel. Diese Mengen an Essen kann kein Mensch zum Frühstück schaffen. Das Schwierige ist nur: Wenn man sieht, wie manche Menschen hier leben, hat man ein sehr schlechtes Gefühl, etwas übrig zu lassen.





Das Witzigste an diesem Morgen war allerdings das Luftgewehr, das ein Mitarbeiter fest in der Hand hielt. Er hatte heute offenbar das Los gezogen, das Frühstück gegen die Affen zu verteidigen.




Wir machten uns zu Fuß auf den Weg. Eigentlich sollte es heute schütten. Rund 28 Liter waren angekündigt, aber nichts davon trat ein. Den ganzen Tag fiel kein einziger Tropfen. Glück gehabt. Rund um den großen Markt war es immer noch ein bisschen wuselig, aber längst nicht mehr so extrem wie gestern.




Unser erster Weg führte uns zur großen Buddha-Statue des Sri Maha Bodhi Viharaya, die hoch über Kandy thront. Wie vor jedem Tempel mussten wir natürlich wieder die Schuhe ausziehen. Langsam wird das ehrlich gesagt echt eklig. Stell dir vor, du reist durch Indien – barfuß. So ungefähr fühlt sich das hier jeden Tag an. Da lobe ich mir die Moscheen. Dort werden die Füße waschen. Hinter der Statue gab es eine Aussichtsplattform, direkt hinter dem Kopf, von der man einen wundervollen Blick über Kandy und den See hatte.




Im Anschluss ging es für uns weiter durch die Berge, weg vom Verkehr, weg von den Abgasen, hinein in ländliches Wohngebiet. Genau diese Strecken mögen wir am meisten, weil es hier so viel zu entdecken gibt.




Kandy ist wirklich voll mit Affen. Überall hängen sie in den Baumkronen, stürzen sich von Balkonen und randalieren, was das Zeug hält. Aber eigentlich sind die Einwohner auch selbst ein Stück weit schuld. Beim Zahntempel stand zum Beispiel ein riesiger offener Müllcontainer. Für die Affenhorde natürlich ein gefundenes Fressen. Irgendwie schien man der Lage aber nicht mehr ganz Herr zu werden. Das Luftgewehr am Morgen war ja schon ein Zeichen und im Botanischen Garten setzte ein Wachmann noch einen drauf: Mit Schlagstock und Gorilla-Maske versuchte er, die Affen in Schach zu halten.




Für uns ging es weiter in das Udawattekele-Waldgebiet, ein Schutzgebiet oberhalb des Sees. Hier gibt es jahrhundertealte Lianen, Rehe, Wildschweine, Affen und unzählige Vogelarten. Schon am Eingang kam uns ein Mann entgegen, der gerade eine Ceylon-Lanzenotter gefangen hatte. Er brachte sie in Sicherheit, also weg vom Weg und weg von den Menschen. Die Schlange ist hochgiftig, gilt aber als nicht tödlich. 




Es war eine wundervolle Geräuschkulisse. Überall zirpte, quakte und zwitscherte es. Wahrscheinlich waren unzählige Tiere um uns herum, die wir nie zu Gesicht bekamen. Ein paar zeigten sich dann doch: ein Reh zwischen den Bäumen, Buntspechte, Affen und eine ganze Reihe weiterer Vögel. Und zwischen all den Affen entdeckten wir plötzlich ein Lanka-Riesenhörnchen, bis zu etwa siebzig Zentimeter groß inklusive Schwanz. 




Die Uferpromenade in Kandy ist ein schöner Gegenpol zum Trubel der Stadt. Ein schmaler Weg führt einmal um den See, immer wieder schattig, immer wieder mit Blick aufs Wasser. Besonders die Bäume machen diesen Ort aus. Manche stehen schief am Ufer, andere lehnen sich weit über den See, als wollten sie ins Wasser greifen. Einige wirken, als würden sie sich regelrecht hineinlegen, ihre Äste berühren die Oberfläche, spiegeln sich im Wasser und wippen leicht im Wind.




Besonders spektakulär werden diese Bäume am Morgen und am Abend. Dann werden sie von Hunderten Reihern als Schlafplatz genutzt. Manchmal scheint es, als müssten sie sich beeilen, um überhaupt noch einen Platz zu bekommen. Sobald die Sonne aufgeht, steigen sie zu Hunderten in die Luft. Was für ein Spektakel. Jedoch gehen die Fußwege dort entlang und es ist ein Drahtseilakt nicht voll geschissen zu werden.




Wir landeten schließlich in einem Einkaufszentrum und es war völlig surreal. So viel Moderne hatten wir in den letzten vierzehn Tagen nicht erlebt. Es gab sogar einen Foodcourt, in dem man sein Essen mit einer Bezahlkarte bestellen konnte. Das fühlte sich in diesem Moment komplett befremdlich an.




Der Tag war noch jung und es blieb genug Zeit, um noch in den königlichen botanischen Garten zu fahren. Da die Stadt aus allen Nähten platzt und der Verkehr gefühlt schlimmer ist als alles, was wir bisher erlebt haben, ist ein Tuk-Tuk die beste Lösung, um schnell voranzukommen.




Wir handelten nur den Preis aus, mehr wurde nicht gesagt. Trotzdem wusste der Fahrer sofort, was Sache ist. Er fuhr los, als ginge es um Leben und Tod, preschte durch das Chaos, während aus den Boxen laute sri-lankische Musik dröhnte. Motorrad, Tuk-Tuk, Auto, Bus, Tuk-Tuk, hier in Kandy passen offenbar fünf Fahrzeuge nebeneinander. Gefahren wird, wo Platz ist. Und so verrückt es klingt: Genau deshalb war das Tuk-Tuk die richtige Entscheidung.




Der königliche botanische Garten von Kandy ist wirklich beeindruckend und vor allem riesig. Besonders spektakulär sind die langen Palmenalleen, gerade, weitläufig und fast ein bisschen ehrfürchtig. 
Dazu kommen ganze Bereiche, die sich jeweils nur einer Pflanzengruppe widmen: z.B eine Agavensammlung, eine Palmensammlung und eine Bambusausstellung. Selbst verschiedene Grassorten fand man dort.




Besonders spannend fanden wir die sogenannten Memorial Trees. Überall im Garten stehen Bäume mit kleinen Tafeln, gepflanzt von Königen, Staatsoberhäuptern oder berühmten Persönlichkeiten aus aller Welt. Jeder Baum erzählt eine kleine Geschichte: ein Besuch, ein politisches Treffen, ein Moment, der hier festgehalten wurde. Man läuft also nicht nur durch einen botanischen Garten, sondern auch durch ein Stück Weltgeschichte, eingebettet in Grün.




Der Eintrittspreis ist für sri-lankische Verhältnisse ziemlich hoch, aber das spielt hier fast keine Rolle. Allein die Tatsache, dass Teile des Gartens, Gewächshäuser und besondere Pflanzen von uniformierten National Guards bewacht werden, zeigt, welchen Stellenwert dieser Ort hat. Dieser Park ist kein einfacher Stadtgarten, sondern ein nationales Gut und genau so fühlt er sich auch an.





Auch im Botanischen Garten wurde das volle Ausmaß der Zerstörung durch den Zyklon sichtbar. Der Park wird vom Mahaweli River begrenzt und genau hier hat das Hochwasser deutliche Spuren hinterlassen. Viele Bereiche sind beschädigt, Ufer unterspült, Wege zerstört. Besonders hart getroffen hat es die einfachen Häuser, die direkt am Flussufer standen. Auch hier wird deutlich, wie gewaltig die Kräfte waren und wie verletzlich selbst ein so geschützter Ort sein kann.




Diese sechs Kilometer Rückweg mit dem Tuk-Tuk in die Innenstadt fühlten sich an wie dreißig Jahre Zigarre rauchen oder direkt auf einem Schornstein zu sitzen. Es war einfach irre. In so einem Tuk-Tuk befindet man sich nämlich genau auf Höhe der Auspuffe der Busse.




Die Straßen sind für diese Massen an Fahrzeugen überhaupt nicht ausgelegt. Und trotzdem funktioniert es irgendwie. Denn eines muss man sagen: Sie fahren wahnsinnig gut Tuk-Tuk. Jeder Millimeter wird ausgenutzt, jede Bremsung sitzt auf den Punkt. Selbst wenn sie kurzzeitig in den Gegenverkehr ziehen, finden sie immer noch einen Ausweg, notfalls über einen Gehweg, auch wenn der faktisch gar nicht existiert.





Links, rechts, vorwärts, rückwärts – Tuk-Tuks, Autos, Motorräder, Busse, alles gleichzeitig. Man fragt sich wirklich, ob man hier als Junge nicht schon mit fünf Jahren sein erstes Tuk-Tuk geschenkt bekommt. Anders ist diese Präzision kaum zu erklären.