In der Altstadt befinden sich derzeit hunderte Katzen und irgendwie haben wir uns als Ziel gemacht 100 davon zu streicheln. Das kann in dieser Stadt sogar funktionieren. Die Katzen trotzen dem Regen. Sie haben ja genug Fell. Außerdem gibt es überall kleine Katzenhäuser, in denen sie im Trockenen sitzen können. Dort liegt immer auch genug Futter.
Immer wieder werden wir hier angesprochen, hauptsächlich auf Russisch. Wahrscheinlich sind das hier auch die meisten Touristen. Danach kommt gleich Polnisch. Damit landet man ja schon fast einen Volltreffer. Polen sind hier übrigens eine ethnische Minderheit.
Wir zogen also, Kekse futternd, weil Essen geht immer, durch die engen Gassen des UNESCO-Weltkulturerbes, bis wir am Palast der Eheschließung vorbeikamen, der mit zahlreichen Ornamenten verziert war - in Form eines Drachens. Die Symbolik dahinter kann sich jeder selbst ausmalen.
Wir ließen die Altstadt hinter uns und kamen am Rand des Sowjetviertels von Yasamal an. Dort besuchten wir die Tezepir-Moschee, ein wirklich beeindruckendes Bauwerk. Pünktlich zum Mittagsgebet bestaunten wir die unzähligen goldenen Ornamente, die im Licht schimmerten, und den hübsch angelegten Central Park direkt daneben. In Aserbaidschan ist es übrigens verboten, dass Moscheen eine besonders weitreichende Beschallung nutzen. Man trennt hier klar Staat und Religion.
Wegen des Wetters war es Zeit, sich in das nächste Café zu setzen. Und das kann Baku wirklich. Hier gibt es eine erstaunlich vielfältige Kaffee- und Teekultur, mit Sorten, die wir so noch nirgendwo getrunken haben. Spanish Latte und Citron Raf – letzteres eine Art Latte Macchiato aus Russland. Insgesamt merkt man hier, was die Trinkkultur betrifft, auch viele Einflüsse aus China. In den Kiosken am Meer findet man zwischen eisgekühltem Osmanthus- und Jasmin-Tee wieder.
Nur die Preise unterscheiden sich von China: Baku ist insgesamt auf einem relativ gehobenen Preisniveau, zumindest was Getränke betrifft. Die Präsentation von Tee und Kaffee ist hier aber wirklich herausragend. Geschirr, Arrangement und Zutaten - alles wirkt wie eine kleine Kaffee- und Teezeremonie und ist eine echte Augenweide.
Eine Menükarte gibt es übrigens überhaupt nicht mehr. Alles läuft über QR-Code und ist komplett digitalisiert. Ein kleiner Aufsteller mit WLAN auf der einen Seite und auf der anderen die Speisekarte. Heute haben wir unseren Kaffee sogar über eine Diskette bestellt. Der QR-Code war einfach draufgedruckt. Baku ist in dieser Hinsicht deutlich fortschrittlicher als Deutschland. Das merkt man schon daran, dass Kartenzahlung wirklich überall problemlos möglich ist.
Genau hier oben am Rand des sowjetischen Teiles hat die Stadt endlich wieder Charakter. Keine weitläufigen, menschenleeren Boulevards mehr, sondern wunderschöne, fast schon surreale Bauten. Es geht ein weiter Blick über die Dächer der Stadt, aus denen hier und da Minarette wie kleine Tupfer herausragen. Und mittendrin stehen schon die ersten Bäume in Blüte, obwohl es eigentlich noch hundekalt ist.
Wir kamen zur westlichen, weitläufigen Promenade rund um den Winterpark. Diese ist gesäumt von imposanten Bauwerken, vor allem aus der späten Zarenzeit und der sowjetischen Epoche. Viel Neoklassizismus, monumentale Fassaden und diese typische, etwas wuchtige Sowjetarchitektur prägen das Bild.
Bevor man dort ankommt, taucht man allerdings noch in eine ganz andere Welt ein. Es gibt viele Unterführungen mit kleinen Untergrundläden. Die Waren lassen einen in eine längst vergangene Zeit zurückblicken, wie Polen in den 90er Jahren. Dinge, die dort verkauft werden, würde bei uns heute niemand mehr konsumieren.
Wir würden sagen, die Stadt ist der Sowjetunion oft näher als dem Orient. Baku kann sich irgendwie nicht entscheiden. Es wirkt teilweise, als wäre man in einer russischen oder typischen Sowjetstaaten-Hauptstadt, mit diesen riesigen Alleen und Parks. Dann gibt es wieder Ecken, die fast schon an Dubai erinnern, dann wieder etwas Orientalisches. Manches wirkt ganz neu gebaut, anderes alt und gewachsen, fast schon europäisch. Ein ziemlicher Kulturmix. Baku eben.
Auch im Supermarkt ist man Russland näher, als man denkt. Kaviar, Kompotte, Mayonnaise, gewürztes und getrocknetes Roggenbrot, das wie Chips gegessen wird, Anislimonade. Das erinnert an die Zeit, als wir vor Jahren in Moskau waren. Auch die Küche trägt diese Mischung in sich: russische und türkische Einflüsse treffen hier ganz selbstverständlich aufeinander.
Das Abendessen ist hier immer ein kleines Highlight. Die Lokale sind voll, irgendwo spielt Livemusik, die Tischdecken sehen aus wie kleine orientalische Teppiche und irgendwie beginnt und endet jeder Abend mit einem Tee.
Die Teekultur in Aserbaidschan ist dabei fast schon ein kleines Ritual. Man bekommt eine große, erstaunlich schwere Kanne serviert, dazu diese typischen kleinen Teegläser. Der Tee selbst ist stark, tiefdunkel, und wird nicht einfach nur getrunken, sondern fast zelebriert.
Dazu gibt es Zuckerstücke, die man sich traditionell eher in den Mund nimmt und den Tee darüber trinkt, statt ihn direkt zu süßen. Oft kommen noch Zitronenscheiben dazu, manchmal auch kleine Süßigkeiten.








































